Abenteuer Basetrail beim Zugspitz Ultratrail 2017: Drei Run Clubber stellen sich der Herausforderung


Als wir am Samstagnachmittag den Waldweg verlassen und wieder Asphalt unter den Füßen haben, trennen uns nur noch 2 Kilometer vom Zieleinlauf. Menschen stehen an der Strecke und feuern uns an, rufen uns zu, dass wir es bald geschafft haben und das Ziel nicht mehr weit ist. Auch wir motivieren uns nochmal gegenseitig, doch allein das Ziel so nah vor Augen zu haben, ist schon Motivation genug, denn da liegen schon fast 25 Kilometer und 1600 zurückgelegte Höhenmeter hinter uns.

Vor uns liegen jetzt noch die letzten Meter der Basetrail-Distanz beim Zugspitz Ultratrail, welche sich als unsere bisher größte läuferische Herausforderung herausstellen sollte. Eine Strecke, auf der wir von herausfordernden Uphills und anspruchsvollen Downhills, gemeinsamem Kampf, gegenseitiger Motivation, Unterstützung und unglaublich viel Spaß bis hin zu einer wunderschönen Landschaft  einfach alles erlebt haben, was einen solchen Trailrun ausmachen und jetzt in einem gemeinsamen Zieleinlauf enden sollte.  

Die Vorbereitung 

Als ich im Januar eher zufällig den Eventclip vom Salomon Zugspitz Ultratrail 2016 gesehen habe, habe ich in dem Lauf direkt eine unglaubliche Herausforderung gesehen und mich noch am selben Tag für den Basetrail angemeldet. Auch mein Freund Anton und meine Schwester Sophie waren motiviert das Abenteuer Basetrail zu wagen und so lagen von da an noch sechs Monate vor uns, in denen wir uns auf den Lauf vorbereiten konnten.

Für uns als eher unerfahrene Trailrunner, die vorher noch keinen offiziellen Trailrun absolviert hatten, war das Ganze ziemliches Neuland. Für uns stand daher von Anfang an der Spaß im Mittelpunkt, wir freuten uns einfach auf den gemeinsamen Lauf in den Bergen und sind daher auch ohne zeitliche Ambitionen gestartet, das Zeitlimit von sechs Stunden wollten wir aber dennoch auf jeden Fall schaffen.

Die Zugfahrten und eine Ferienwohnung waren schnell gebucht, nach und nach hatten wir mit Trailschuhen, Trailrucksäcken, Stöcken etc. auch unsere Ausrüstung zusammen - das Training konnte beginnen! Bis auf einige gemeinsame Läufe im Siebengebirge hat es mit einer gezielten Vorbereitung eher weniger geklappt, aber dennoch sind wir hochmotiviert und optimistisch zwei Tage vor dem Lauf am frühen Donnerstagmorgen nach Garmisch aufgebrochen, wo wir mit sonnigen 26°C empfangen wurden. Natürlich haben wir das ganze Eventprogramm mitgemacht, waren am Donnerstagabend direkt bei der ZUT Movie Night mit Salomon Athlet Philipp Reiter, sind am Freitag zur Expo-Area in Grainau gefahren, haben dort unsere Startunterlagen abgeholt und uns bei der Pasta Party inklusive anschließendem Strecken – und Sicherheitsbriefing gemeinsam auf den Lauf eingestimmt. Dort haben wir mit dem Team We Run 4 Fun sogar noch weitere Run Clubber getroffen und uns von deren langjährigen ZUT-Erfahrungen berichten lassen.

 

Der Renntag

Am Samstag war der Tag des Laufs dann endlich gekommen, auf den wir ein halbes Jahr gewartet hatten und es war ein unglaubliches Gefühl im Run Club-Outfit mit so vielen anderen StarterInnen auf den Startschuss zu warten. Auf den ersten Metern standen viele Leute an der Strecke und verabschiedeten uns in die Berge- zu dem Zeitpunkt überwog einfach die Vorfreude auf alles, was auf den nächsten 25 Kilometern noch vor uns lag. Ab Kilometer 3 wurde uns dann allerdings klar, auf was wir uns eingelassen hatten, denn bereits der erste Anstieg hatte es in sich und schon da war ich absolut glücklich, dass ich mich für die Mitnahme von Stöckern entschieden hatte, die auf jeden Fall eine super Unterstützung waren. Während der erste Downhill hin zum ersten Verpflegungspunkt (VP 8) noch mit unseren Trainingsstrecken aus dem Siebengebirge vergleichbar war, wartete danach mit einem Anstieg über 6 Kilometern bis hin zum nächsten VP 10 eine ganz andere Herausforderung auf uns. Auf einem schmalen Singletrail ging es 500 Höhenmeter aufwärts, hintereinander kämpften wir uns Meter für Meter nach oben, es wurde nicht geredet, jeder hatte mit sich selbst genug zu tun und trotzdem hatte man immer das Gefühl, dass sich die LäuferInnen gegenseitig motivierten und mitzogen. Selten haben mir Orangen und Wassermelone so gut geschmeckt wie an der VP 10. Nach kurzer Pause ging es weiter auf die nächsten drei Kilometer hoch zum höchsten Punkt unserer Strecke am Osterfelderkopf, doch drei KM können lang werden….

In über 2000 Metern Höhe lag sogar noch Schnee, es war teilweise etwas windig, von den Temperaturen aber immer noch völlig angenehm – mit dem Wetter hatten wir allgemein richtig Glück! Nachdem wir endlich oben am Osterfelderkopf angekommen waren, haben wir uns erstmal Zeit für eine kleine Fotosession genommen, bevor wir auf dem Rest der Strecke erfahren durften, was unter „richtigen Downhills“ zu verstehen ist…. Während erfahrene LäuferInnen die Trails gefühlt nur so runtergeflogen sind, haben wir uns etwas mehr Zeit gelassen und sind  vorsichtig, aber in einem guten Tempo die Abstiege runtergelaufen – zum Glück unfallfrei und ohne Stürze.

Warum tut ihr euch das nur an? Ist das nicht viel zu anstrengend? Das wurde ich in den letzten Monaten von vielen Leuten gefragt und während des Laufs gab es so viele Momente, die ich ihnen als Antwort geben könnte. Es sind die Momente, in denen ich mich so richtig durchbeißen musste, in denen man genau die Herausforderung gespürt hat, die man in dem Lauf gesucht hat, wie z.B. auf genau den letzten drei Kilometern hoch zum Gipfel des Osterfelderkopfs, als ich mich wirklich Schritt für Schritt nach oben durchkämpfen musste, die Oberschenkel brannten und ich mich immer wieder selbst motiviert habe, dass Aufgeben keine Option ist und wir auf jeden Fall in Grainau ins Ziel einlaufen werden – und das haben wir geschafft! Das Gefühl nach so einem Lauf und vor allem nach so einem Kampf die Ziellinie zu überschreiten, war unglaublich und wir sind stolz unser Abenteuer Basetrail durchgezogen zu haben.

Wir wurden danach natürlich noch mit drei Tagen ordentlichem Muskelkater belohnt, aber es gibt doch kein schöneres Andenken an so einen Lauf. ;)

Habt ihr auch Lust auf eine Distanz beim Zugspitz Ultratrail oder einen anderen Lauf dieser Art, habt aber Bedenken, dass ihr es vielleicht nicht schaffen könnt? Meldet euch trotzdem an, geht mit Spaß an den Start und kämpft euch gemeinsam durch - es lohnt sich 100%!

Eventbericht von Clara Mürmann.

 

 

 

 

 

« Zurück