Von 135 auf 75 Kilo – vom Sportmuffel zum Triathlet!


Eine Schachtel Kippen pro Tag und Mettbrötchen mit Cola zum Frühstück – das war früher für Stefano (34) ganz normal und auch O.K.. Nach einer Blinddarm-Operation mit 12 Jahren ging es mit dem Dickwerden bei ihm los; da war er derjenige, den keiner in sein Sportteam wählte und der dann letztendlich viele Stunden allein vor dem Rechner verbrachte… und dabei ordentlich Kilos anhäufte. Wie er die wieder losgeworden und eine neue Leidenschaft für sich entdeckt hat, erzählt er dir hier!

von Stefano

„Sport war keine Option für mich“

Bis ich 25 war hat Sport in meinem Leben nicht stattgefunden. Beim Schulsport habe ich mitgemacht, weil ich musste, aber Spaß hatte ich dabei nicht. Das haben auch die anderen Kids gemerkt und mich, den unsportlichen Dicken, höchstens als Letzen in ihr Team gewählt. Und auch später im Job saß ich nur im Büro und habe mich bei allen möglichen Gelegenheiten durchs Buffet gegessen. So bin ich dann schließlich irgendwann bei 135 Kilo gelandet. Wie dick ich eigentlich war, habe ich aber erst auf die harte Tour wahrgenommen: als ich mit Verdacht auf einen Schlaganfall im Krankenhaus untersucht wurde. Da musste mich die Schwester mit einem Stuhl auf die Waage schieben. Das war mir schon ziemlich unangenehm. Und als der Arzt mir knallhart gesagt hat, dass ich nicht alt werde würde, wenn ich meine Leben nicht ändern würde, war mir klar, dass ich was tun muss.

„Auf einmal waren da ganz neue Möglichkeiten für mich“

Raus aus dem Krankenhaus, rein ins Fitnessstudio – das war nach diesem Gespräch mit dem Arzt exakt mein Weg. Auch mit dem Rauchen war ziemlich sofort Feierabend, denn ich brauchte die „Luft“ ja für den Stepper. Mit dem regelmäßigen Training habe ich dann pro Jahr bis zu 15 Kilo verloren – und jede Menge Spaß gefunden, denn plötzlich waren da viel mehr Möglichkeiten für mich. Aufgrund meines Gewichts waren früher viele Sachen für mich einfach nicht machbar oder ich hatte keinen Spaß an ihnen, beispielsweise zum Schwimmen gehen oder Radtouren machen. Das war mir aber gar nicht so aufgefallen.

Irgendwann hatte ich dann die 100-Kilo-Marke geknackt - ein magischer Moment! Aber keinen Moment habe ich dann daran gedacht, mit dem Abnehmen aufzuhören. Auch nicht, als ich ziemlich zeitgleich aus berufliche Gründen umziehen musste und kein passendes Fitnessstudio für mich gefunden habe. Also runter vom Stepper und rein in die Laufschuhe! Erst bin ich natürlich nur kurze Strecken gelaufen, aber es wurden schnell längere. Und auch das Radfahren habe ich dann weiter forciert! Alles Sachen, die ich früher, mit dem Übergewicht, nie gemacht und nie gekonnt hätte. Und natürlich sind bei der ganzen Bewegung die Kilos weiter von mir abgefallen!

„Ich bin süchtig nach der Triathlon-Ziellinie“

Da Sport jetzt absolut eine Option für mich war und das Laufen, Schwimmen und Radfahren einen großen Raum in meinem Leben eingenommen haben, war der Weg zum Triathlon nicht mehr weit. Ich und Triathlon, das war noch vor einigen Jahren eine undenkbare Kombi und plötzlich war es möglich – und wurde Realität: 2014 habe ich meinen ersten Triathlon in Bremen auf der Jedermann-Distanz absolviert. In dem Moment, in dem ich nicht als Letzter über die Ziellinie gelaufen bin, war ich so glücklich und stolz auf mich, das mir gleich klar war, dass ich dieses Finisher-Gefühl immer wieder erleben wollte. Also habe ich mich von einem Kumpel in sein Triathlon-Team holen lassen und bin richtig durchgestartet. Einige Triathlon-Wettkämpfe später war wollte ich dann auch, nach der Olympischen- und der Mitteldistanz, die Langdistanz angehen. Das habe ich dann 2018 in Hamburg getan!

Mit jetzt 75 Kilo stand ich in Hamburg an der Startlinie! Allerdings wurde aus dem Lauf ein Duathlon, weil es da Probleme mit der Wasserqualität gab. Statt des Schwimmens sind wir dann neben dem Marathon noch zusätzlich 6 Kilometer gelaufen. Meine Zielzeit: 10 Stunden und 17 Minuten. Das waren die so ziemlich intensivsten 10 Stunden meines Lebens – und das Gefühl hinter der Ziellinie war ein nicht weniger intensives Glücksgefühl. Hammer!

Das nächste Highlight dieser Art folgte dann bereits vier Wochen später beim Ironman in Vichy, Frankreich. Auch hier bin ich auf der Langdistanz gestartet – und konnte endlich auch die Schwimmstrecke für mich testen. Ich kam nach 1:17:18h aus dem Wasser und war damit gut unterwegs. Auch das Radfahren hat gut geklappt. Beim abschließenden Laufen bin ich dann leider eingebrochen und musste aufgrund von Krämpfen und Schmerzen streckenweise gehen. Egal, ich habe insgesamt 11:39:22h gebraucht und bin damit mehr als zufrieden!

„Ich bin glücklich“

Ich bin froh, dass ich vor zehn Jahren die Reißleine gezogen und mein Leben geändert habe. Ich könnte mir heute ein schwergewichtiges und deswegen limitiertes Leben nicht mehr vorstellen. Ja, ich trainiere viel, habe Vorbereitungsphasen in denen ich auf einiges verzichte und manchmal tut es auch weh. Aber das gute Gefühl, das alles überhaupt machen zu können, ist ein starker Motivator. Ich kann mir mein Leben nicht mehr anders vorstellen, ich bin glücklich!

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